3, 2, 1 Live – Video Live Streaming

Advertising Geschrieben von Christina Tobler

Überall in der Social-Welt ist die Rede von Video Live Streaming. Inzwischen hat jeder die Möglichkeit, jederzeit von überall aus als Live-Reporter zu fungieren. Dies verlangt von Unternehmen und Marken ein drastisches Umdenken: Video muss nicht mehr zwingend professionell produziert werden, um beachtet und geteilt zu werden.

Christina Tobler

Consultant Social Media

3, 2, 1 Live – Video Live Streaming

Bewegtbild nimmt auf Social Media stetig an Bedeutung zu – das ist kein Geheimnis. Seit vergangenem Jahr ist auch in der Schweiz der Begriff Live Streaming in aller Munde und diverse Schweizer Unternehmen haben sich bereits getraut, tatsächlich auf den roten „Live“-Button anzuklicken.

Doch wieso genau sollte man Live Content in die Social-Media-Strategie 2017 aufnehmen?

Live Streaming bringt Vorteile mit sich, sowohl für den User als auch für die Marke.

  • Sofortiger Mehrwert für beide Seiten – So kann während einer Live-Übertragung beispielsweise eine spannende Veranstaltung in Echtzeit mitverfolgt werden. Gleichzeitig erhält das Unternehmen direkt Feedback von den Fans und kann unmittelbar reagieren und mit den Usern live in den Dialog treten.
  • Humanisierung der Marke – Viele Unternehmen sind für die Nutzer noch sehr geheimnisvoll. Man kann sich oft nur schwer vorstellen, wie ein Produkt tatsächlich entwickelt und hergestellt wird oder wer die Menschen dahinter sind. Mit Hilfe von Live Streaming erlauben immer mehr Unternehmen einen Blick hinter die Kulissen und einen Einblick in die täglichen Prozesse. Dies erlaubt eine völlig neue Art der Interaktion, welche essentiell ist für die Glaubwürdigkeit einer Marke.
  • Reichweite und somit Umsatz – Statistiken belegen, dass Live-Videos am häufigsten geteilt werden. Mund-zu-Mund-Propaganda auf Social Media führt letztendlich dazu, dass Leute erreicht werden, welche via klassischer Kommunikationsmassnahmen nicht erreicht würden.
Live Video, Video Streaming, Facebook Video
Das Live Video von Candace Payne aka „Chewbakka Mum“ ist mit 165 Millionen Views und 15‘000 Shares bisher das meist angesehene Video auf Facebook Live.

Und was können Unternehmen in einem Live Streaming zeigen?

  • Produktlancierungen – Ein Live-Video vor dem offiziellen Launch eines neuen Produktes ist eine gute Möglichkeit, schon frühzeitig eine breite Masse neugierig zu machen und gleichzeitig vorab bereits erstes Feedback einzuholen.
  • Q&As – Eine Live Session, welche Nutzer die Möglichkeit gibt, Fragen über das Unternehmen oder über ein Produkt zu stellen, generiert wertvolle Insights über Kundenmeinungen und ermöglicht dem Unternehmen, sich authentisch als glaubwürdigen Experten zu positionieren. Solche Frage-Antwort-Runden können natürlich auch von Markenbotschaftern oder Influencern durchgeführt werden.1
  • Führungen – Mit einer Live-Führung durch die Büroräumlichkeiten oder die Produktionsanlagen erhält der Nutzer exklusive Einblicke hinter die Kulissen und das Unternehmen wird gleichzeitig authentischer wahrgenommen.
  • Veranstaltungen – Die beliebteste Form von Live Streamings sind Aufnahmen während eines Events. Dies reicht von Konzerten, über Sportanlässe bis hin zu politischen Diskussionen.
Feldschlösschen, Live Video, Facebook Live
Feldschlösschen berichtete am offiziellen Weihnachtsbieranstich vergangenen Dezember über Facebook Live aus Bern und generierte so auf organischem Weg über 40‘000 Views.

Welche Punkte müssen bei Live Videos beachtet werden?

  • Kein Drehbuch! Der ganze Sinn eines Live-Videos ist, die Authentizität der Marke zu steigern. Man muss spontan auf die Reaktionen der Fans eingehen, um glaubwürdig zu wirken. Das schliesst jedoch nicht aus, dass man im Vorfeld ein Storyboard mit möglichen Inhalten und Abläufen des Live Streams vorbereiten sollte. Im Gegenteil: ein Live-Video sollte idealerweise 19 Minuten dauern und während dieser Zeit sollten einem die Ideen natürlich nicht ausgehen.
  • Stabile WLAN-Verbindung! Klingt selbstverständlich, aber sogar grosse Medienhäuser konnten diese Grundvoraussetzung nicht erfüllen. Das Resultat ist ein stockendes Video mit unverständlicher Tonspur und verzögertem Eintreffen von Fan-Reaktionen.
  • Gute Video und Tonqualität! Die meisten Live Streamings werden heutzutage von einem Smartphone aus gemacht. Um ein wackeliges Bild zu verhindern, sind Schwebestative eine grosse Hilfe. Je nachdem wie hoch der Geräuschpegel der Umgebung ist, ist ein Mikrofon für den Reporter unabdingbar.

Keine Panik! Der Reporter sollte sich vor dem Livegang unbedingt mit der Facebook-Umgebung vertraut machen und sich bewusst sein, dass beim Klick auf den „Live“-Button sofort eine hohe Anzahl an Kommentaren reinströmen kann. Es wird nicht möglich sein, auf alle einzeln einzugehen. Es gilt, den Grundton zu erkennen und die Inhalte entsprechend flexibel zu steuern. Es kann natürlich auch sein, dass in den ersten Minuten keine einzige Reaktion eintrifft. Auch dies ist kein Grund zur Verunsicherung, denn es braucht ein paar Minuten bis die interessierten User eintreffen. Um zu vermeiden, dass sich die Zuschauer in den ersten Minuten langweilen, können verifizierte Seiten via API Live-Videos inzwischen auch vorausplanen. Eine detaillierte Anleitung findet man auf der Facebook Media Seite.

Live Content, Facebook, Nivea
Es geht auch anders rum. So reagiert beispielsweise NIVEA Schweiz regelmässig auf Live-Content von Fans oder Bloggern.

Ausblick: Was bringt Live Streaming in Zukunft?

In den letzten Jahren hat sich in den Social Media in Sachen Live Streaming einiges getan. Die grossen Plattformen zählen täglich Video Views in Milliardenhöhe. Verschiedenste App-Anbieter haben den Trend frühzeitig erkannt und versuchen, den Live-Streaming-Markt für sich zu gewinnen. Einige einst sehr erfolgreiche Anbieter, wie beispielsweise Meerkat, sind bereits verdrängt worden, während sich grosse Anbieter stets weiterentwickeln. Dies macht sich unter anderem mit dem neuesten Feature aus dem Hause Facebook bemerkbar: „Instagram Live Stories“ können bis zu einer Stunde dauern und verschwinden dann, sobald der Livestream endet. Kommt euch bekannt vor?

Time Line Live Video
Meilensteine des Live Streamings. Klick auf die Grafik erzeugt ein Vollbild im neuen Tab.

Verschiedenste App-Anbieter haben den Trend frühzeitig erkannt und versuchen den Live-Streaming-Markt für sich zu gewinnen.

YouTube als führende Plattform im Bereich Desktop Streaming (Live-Funktion bereits seit 2011!) hat sich in Bezug auf den Mobile-Streaming-Trend bisher noch eher schwer getan. Doch nun wurde die Mobile-Live-Streaming-Funktion für alle YouTuber mit über 10‘000 Abonnenten freigeschalten. Des Weiteren hat YouTube im vergangenen Monat ein neues Tool kommuniziert, nämlich die Bezahloption „Super Chat“. Diese erlaubt gegen Bezahlung von bis zu 500 USD, einen Kommentar für bis zu fünf Stunden optisch hervorzuheben.

Super Chat, You Tube, Live Video
YouTubes neue „Super Chat“-Funktion erlaubt, einen Kommentar für eine bestimmte Zeit gegen einen Betrag hervorzuheben (Quelle: Social Media Today)

Dies ist keineswegs eine Innovation, sondern ein Mechanismus, welcher verschiedene Anbieter, wie Twitch oder YouNow und natürlich etliche chinesische Live Streaming Plattformen,2 wie zum Beispiel Qiqi, bereits erfolgreich implementiert haben. Es ist naheliegend, dass auch Facebook im nächsten Schritt auf diesen Zug aufsteigen wird. Ende letzten Jahres hat Facebook bereits sogenannte „Tip Jar“ und „Donation“ Parameter in ihr Back-End programmiert.

 

Quellen:

1. [Inzwischen existiert auf Facebook die spezifische Rolle „Live Contributor“. So braucht man keine umfassenden Administrator-Rechte mehr an externe Personen zu vergeben.]

2. [In China nutzen rund 46% der Bevölkerung eine Live-Streaming App (Stand Juni 2016). Die Credit Suisse schätzt das Marktpotenzial dabei auf 5 Milliarden USD im 2017.]